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Vergleichstest Fünf Stereokompaktanlagen mit Streaming-Funktion im Test

Die HiFi-Hersteller folgen fleißig dem Streaming-Trend. Inzwischen gibt es quer durch alle Preisklassen eine Vielzahl interessanter Komplettlösungen mit Mini-Abmessungen. Wir haben fünf besonders vielversprechende Lösungen unter die Lupe genommen.
Naim Unitiqute 2 © Naim Audio

Der iPod von Apple hat gezeigt, wie bequem und vielseitig der Umgang mit Musik im 21. Jahrhundert sein kann. Schlagartig empfanden viele Nutzer ihre jahrelang gepflegte CD-Sammlung als Staubfänger. Einerseits benötigten die bewährten Silberscheiben viel Raum und Pflege.

Andererseits waren sie ungeeignet, dem durch gezielte Einkäufe im Download-Store gesetzten Trend weg vom Album hin zu Einzeltiteln zu entsprechen. Auch mächtige Suchfunktionen zum Durchforsten der eigenen Musiksammlung und zum Entdecken neuer Musik beim Einkauf im Internet blieb der verbreitete physische Tonträger schuldig. Ganz zu schweigen von der Anzeige der Album-Cover und umfangreicher Metadaten.

Wer heute etwas auf sich hält, der unterhält ein zentrales digitales Musikarchiv auf seinem PC oder einem Netzwerk-Speichermedium (Network Attached Storage, kurz: NAS) und hört Internet-Radio. Das Streaming von Audiodateien mausert sich in Rekordzeit von der Ausnahme zur Regel.

Ganz auf Linn-Linie

Linn Kiko
Preis: 3.000 Euro
Testurteil: überragend
  • +tolles Timing, hohe Präzision
  • -HDMI-Anschlüssekein USB-Anschluss

Kein Wunder also, wenn die durch den legendären Plattenspieler LP12 bekannt gewordene schottische Marke Linn vor einiger Zeit den Bau von CD-Playern vollständig eingestellt hat, um sich vollends auf die Streaming-Sparte zu konzentrieren. Schließlich betreibt sie seit vielen Jahren erfolgreich einen Download-Store für anspruchsvolle Musik und macht nach stolzem Bekunden Rekordumsätze ganz besonders mit hochauflösender Kost jenseits der CD-Limits. Die Schotten definieren auch die Standards bei den einschlägigen Fachzeitschriften mit Super-Streamern, die deutlich fünfstellige Summen verschlingen.

Mit dem Kiko möchte Linn gleich zwei Fliegen mit einer Klappe schlagen: Einerseits soll das smarte Komplettsystem die Einstiegsschwelle deutlich niedriger setzen, andererseits soll es auch jene ansprechen, die sich nicht ständig mit Installation, theoretischem Hintergrund und Bedienungsanleitung aufhalten wollen. Auch wer Wert auf ein ansprechendes Design legt, dürfte sich für den schicken Dreiteiler mit gerundeten Aluprofilen für die Gehäuse von Steuergerät und Lautsprechern begeistern.

Ein tolles Timing, hohe Präzision und HDMI-Anschlüsse bringen der Linn Kiko ein überragendes Testurteil. © Linn
Ein tolles Timing, hohe Präzision und HDMI-Anschlüsse bringen der Linn Kiko ein überragendes Testurteil.

Da Neutrik-Stecker aus dem Profibereich verwendet werden, kann selbst der unbedarfte Benutzer beim Anschließen nicht viel falsch machen. Immerhin werden die beiden kleinen Zwei-Wege-Boxen aktiv mit eigenen Endstufen für jeden Treiber angesteuert. Auf eine Frequenzweiche zwischen Verstärker und Chassis wurde verzichtet, was perfekte Kontrolle verheißt. Das Signal wird bereits vor der Verstärkung aufgetrennt.

Mit dem Display hat Linn die Kunst der Vereinfachung auf die Spitze getrieben: Es erscheinen nur Symbole, die nach jedem Bedienvorgang wieder ausgeblendet werden. Das ist ganz gut, wenn man es einmal verstanden hat. Wer jedoch von anderen Geräten kommt, tut sich erst einmal schwer mit der eigenwilligen Logik, die sich auf der Fernbedienung fortsetzt. Immerhin hilft ein Setup-Wizard für den PC beim Einrichten des Systems. Am besten lässt sich das Kiko mit der kostenlosen App in den Griff kriegen. Diese reagiert schnell, zeigt nützliche Zusatzinfos wie Datenraten an und erleichtert auch den Umgang mit Internet-Radio sowie dem anspruchsvollen Online-Dienst Linn Radio.

Ein paar kleine Schrulligkeiten kann auch die App der schottischen Kreation nicht austreiben: Der Netzschalter sitzt an der Seite, und die an sich nicht fehleranfälligen Neutrik-Stecker für die Lautsprecher lassen sich nur sehr mühsam in Boxen einführen. Und wenn der unbedarfte Benutzer glaubt, er sei am Ziel, bleibt das System stumm. Denn die Profi-Verbindungen müssen nach dem Einführen noch wie ein Bajonettverschluss durch Drehen verriegelt werden. Eine Besonderheit im Kreise der Mini-Streamer sind die drei HDMI-Eingänge und ein entsprechender Ausgang.

Apps für bequemes Streaming

  • Denon Remote
    Denon AVR-X2000, home entertainment, av-receiver © Hersteller/Archiv

    • Denon hat eine optimale Fernbedienung geschaffen. Die Remote App kommt allerdings auch immer mehr aus den Kinderschuhen und überzeugt durch Übersichtlichkeit und Funktionalität. Das gilt gerade für die immer verfügbare Lautstärkeregelung.

    • Verfügbar auf: iPhone, Android

  • Naim n-stream
    naim, naimnet, audio, ipod, netstreams © connected-home

    • Die Menü-Logik lässt sich nicht nur schnell erfassen, die App reagiert auch ausgesprochen schnell. Zudem ist in allen Menüs die Lautstärkeregelung sofort zur Hand und einsehbar. Neben dieser kostenlosen Lösung gibt es noch die leistungsfähigere n-Serve App.

    • Verfügbar auf: iPad, iPhone, Android

  • Revox Re:S232
    Revox Re: control M232, software © Video Homevision

    • Die App steht nicht nur in Konkurrenz zur Fernbedienung, weil sie ebenfalls ein Display mit Cover-Anzeige besitzt. Wer zwischen beiden wechselt, findet sich in mitunter unterschiedlichen Menüs wieder. Gut gelöst ist die leicht verfügbare Lautstärkeregelung.

    • Verfügbar auf: iPad, iPhone

  • T+A Control
    T+A-App © Hersteller / Archiv

    • Die App überzeugt durch nützliche Funktionen und liebevolle Details. Die Lautstärke wird an einem Drehknopf geregelt, der User kann sogar im Song vor- und zurückspulen. Allerdings blieb die App hin und wieder hängen oder stürzte ab. Trotzdem eine feine Sache.

    • Verfügbar auf: iPad, iPhone

  • Linn Kinsky
    Linn Kinsky App © Archiv

    • Linns App Kinsky überzeugt durch eine gute Menüstruktur, schnelle Reaktionszeiten und einen hohen Informationsgehalt: Die App zeigt auch die Datenrate beim Streaming an. Wegen des recht auffälligen Front-Displays dürfte Linn Kinsky viele Fans begeistern.

    • Verfügbar auf: iPad, iPhone, Android

Klanglich gesehen, huldigt auch das Kompaktsystem von Linn der Abstimmungsphilosophie des Hauses: Kurze trockene Bässe gesellen sich zu weichen, schmelzigen Höhen. Dazu kommt eine plastische Abbildung. Dank des zurückhaltenden, extrem sauberen Basses lassen sich die Lautsprecher überall aufstellen und laufen auch mit einer Wand im Rücken zu toller Performance auf.

Naim Audios Kunst der Kombination

Naim UnitiQute 2
Preis: 1.600 Euro
Testurteil: überragend
  • +satter, homogener und dynamischer Klang
  • +Gapless-Wiedergabe auch komprimierter Musik
  • -keine Bedienung am Gerät möglich

Auf Performance legt auch Linns Rivale Naim Audio aus Salisbury großen Wert. Nach dem Tod des in klanglichen Belangen konservativen Firmengründers Julian Vereker öffneten sich die Briten in Rekordzeit neuen Trends. Dank einer cleveren Modulbauweise mit vielen Gleichteilen für bestimmte Baugruppen blickt Naim inzwischen auf ein veritables Sortiment von Streamern für verschiedene Nutzergruppen. Alle lassen sich einfach und intuitiv bedienen.

Naims kleiner, aber wegen seines soliden Alugehäuses und seines stattlichen Trafos verblüffend schwerer UnitiQute 2 profitiert von seinem hervorragenden vierzeiligen Display, das gleichzeitig Interpret, Titel und abgelaufene Spielzeit anzeigen kann. Am kleinsten Spross der erfolgreichen All-in-One-Serie Uniti stimmt einfach jedes Detail.

 

Der Klang der Naim Unitiqute 2 ist nicht nur satt und homogen, sondern auch dynamisch. © Naim Audio
Der Klang der Naim Unitiqute 2 ist nicht nur satt und homogen, sondern auch dynamisch.

Seine Front bietet Mini-Klinken-Anschlüsse für mobile Player und Kopfhörer plus eine USB-Buchse. Letztere kommt anders als beim Denon Ceol Piccolo damit zurecht, wenn der im Dateisystem FAT16 oder FAT32 formatierte Speicherstick zuvor mit einem Mac verwendet wurde - eine Eigenschaft, die auch Revox und T+A auszeichnet. An den USB-Anschluss lässt sich auch ein iPod oder iPhone direkt anschließen und mit der Fernbedienung über das Front-Display bedienen.

Die Ausstattung wird komplettiert durch eingebautes WLAN, einen UKW-Tuner und Anschlussmöglichkeiten für weitere Quellen. Über den Vorverstärker-Ausgang ist der Systemausbau mit externen Endstufen möglich. Zudem erlaubt die neueste Software-Version den Aufbau eines Multi-Room-Systems mit bis zu fünf Hörzonen. Damit kann der Nutzer in allen Räumen auf die Millisekunde genau das gleiche Programm hören, das gerade auf seinem UnitiQute läuft.

Die einzige Schwierigkeit, die es zu lösen gilt, ist die Wahl der richtigen Lautsprecher. Grundsätzlich klingt der Naim ausgesprochen gehaltvoll und satt. Sein Bass ist voll und trotzdem sehr knackig und konturiert. Die Stimmen sind geeignet, einem mit ihrer Homogenität und Plastizität warme Schauer den Rücken herunterzujagen. Wie beim Linn genießt beim UnitiQute 2 das Timing höchste Priorität. So geht bei den Engländern ebenso wie bei den Schotten die Musik direkt in die Füße, die mitwippen möchten.

Das knackige Cala-System von T+A

T +A Cala
Preis: 2.200 Euro
Testurteil: überragend
  • +spritzig, transparent, hoch auflösend und pfiffig gemacht
  • +tolle Verarbeitung
  • -USB-Eingang auf der Rückseite

Extrem knackig und nach oben etwas offener als die Mitbewerber von der Insel ging das dreiteilige Cala-System von T+A an die Arbeit. Es baute die Instrumente und die Interpreten ungemein plastisch zwischen den edlen kleinen Aluminium-Boxen auf und überzeugte selbst bei Web-Radio bereits mit feinen, spritzigen Höhen. Mit HD-Dateien von der Festplatte schwang sich die Herforder Schönheit zu enormer Präzision, Transparenz und Dynamik auf. Gerade Liebhaber klassischer Musik finden mit diesem System eine tiefe und stabile Raumabbildung, die sie riesige HiFi-Systeme leicht vergessen lässt.

Und Pop-Fans dürfen sich an einem knackigen Kick-Bass erfreuen. Hausmänner können das Gute mit dem Nützlichen verbinden: Dank einer Kooperation zwischen T+A und dem Küchenhersteller Siematic gibt es das kleine feine Audio-System auch in die Einbauküche integriert - samt Bildschirm. Mit diesem Prachtstück von einem Küchenradio mit RDS-UKW und Web-Radio-Tuner gilt die Devise: "Wer hören will, muss spülen".

Toll verarbeitet und ein spritziger Sound. Das ist die T+A Cala. © T+A elektroakustik
Toll verarbeitet und ein spritziger Sound. Das ist die T+A Cala.

Das deutsche System überrascht zudem mit einer Reihe pfiffiger Lösungen. WLAN ist ebenso an Bord wie Bluetooth mit hoher A2DP-Übertragungsqualität sowie ein von Weitem ablesbares Display. Und Cala ermöglicht im Gegensatz zu den anderen Testteilnehmern sogar das Vor- und Zurückspulen. Zudem birgt die kostenlose App einige pfiffige Details wie einen analog dargestellten Lautstärkeknopf.

Neben viel Licht gibt es auch einige winzige Schatten. So passen lange Titelnamen nicht ganz auf das Display. Zudem arbeiten die Fernbedienung und die App bisweilen gegeneinander, und der USB-Eingang ist wie beim Revox Joy S119 auf der Rückseite angeordnet. Doch das sind Luxussorgen, wenn man bedenkt, dass Linn-Besitzer ganz ohne Universal Serial Bus auskommen müssen.

Revox zeigt Liebe zum Detail

Revox Joy S119/G Shelf
Preis: 2.950 Euro
Testurteil: überragend
  • +toller, klarer Klang
  • +super Finish
  • +exzellente Fernbedienung
  • +gapless mit komprimierter Musik
  • -USB-Anschluss auf der Rückseite

Das wichtigste Zubehör zum Joy von Revox ist die Fernbedienung. Ohne sie ist der solide kleine Zauberkasten blind - sprich: sein Benutzer. Dafür spendierten die Schweizer der vorbildlich gestalteten Fernbedienung ein mehrzeiliges Farb-Display, das sogar beim Streaming die Album-Cover anzeigt. Jedoch hatte die bis auf kleine Hänger überzeugende Gratis-App im Test mitunter Schwierigkeiten, die Cover vom Server zu laden.

Das Revox-System zeichnet sich durch liebevolle Ausführung im Detail sowie nützliche Sonderfunktionen wie den Einschlaf- und den Mit-Musik-geweckt-werden- Modus aus. Zudem ist es flexibel: An den soliden Lautsprecherklemmen seiner kompakten, leistungsfähigen Schaltendstufe lassen sich nicht nur die in puncto Design und Größe passenden Zwei-Wege-Boxen Re:Sound G Shelf betreiben, sondern auch Lautsprecher von anderen Herstellern oder größere Revox-Boxen. Darüber hinaus bietet es eine gute Konnektivität mit zwei analogen und vier digitalen Eingängen sowie einem Koaxial-Digital-Ausgang nebst Subwoofer-Anschluss.

Die Revox Joy S119/G Shelf überzeugt mit einem tollen, klaren Klang. Auch die Fernbedienung ist gelungen. © Revox
Die Revox Joy S119/G Shelf überzeugt mit einem tollen, klaren Klang. Auch die Fernbedienung ist gelungen.

Wer seinen iPod anschließen möchte, muss sich die separat erhältliche Docking-Station zulegen. Für die Verwendung markeneigener Boxen spricht neben dem Design und der Klangabstimmung die Möglichkeit gezielter Klangkorrekturen aus dem DSP. Die waren aber bei einer Traumpaarung wie dem S119 und den G Shelf-Boxen nicht nötig. Das System konnte sehr laut spielen, sehr dynamisch auftrumpfen und überzeugte durch perfekten Fokus. Seine Differenziertheit speziell beim Streaming von 24 Bit/192 kHz-Aufnahmen prädestiniert es in Verbindung mit seiner hohen Transparenz für klassische Musik und Jazz - was nicht heißen soll, dass Pop damit nicht auch Spaß macht.

Ein Piccolo von Denon

Denon Ceol Piccolo
Preis: 500 Euro
Testurteil: sehr gut
  • +spritziger, homogener Klang
  • +gutes Display
  • +tolle Bedienung
  • -Kunststoffgehäuse mit hoher Empfindlichkeit gegen Fingertippen

Sehr Pop-affin gibt sich das Ceol Piccolo von Denon, das sich als echte Überraschung erwies. Es ist nicht nur toll ausgestattet mit CD-Laufwerk, integriertem iPod-Dock, einem informativen dreizeiligen OLED-Display, einer optimal gestalteten und eindeutig beschrifteten Fernbedienung sowie zahlreichen Timer-Funktionen. Es klingt vor allem ausgesprochen erwachsen, stimmig und satt.

Selbst mit Web-Radio konnte der Klang überzeugen, allem voran der punchige, satte Bass. Einzig ausgesprochene Klassik-Liebhaber könnten sich an den leicht giftigen Streichern stören, die selbst mit HD-Audio-Streaming etwas aufdringlich erschienen.

Der Denon Ceol Picoolo bietet für einen Preis von 500 Euro einen spritzigen und homogenen Klang © Denon
Der Denon Ceol Picoolo bietet für einen Preis von 500 Euro einen spritzigen und homogenen Klang

Kleine Abstriche sind bei diesem günstigen Preis auch in der Detailausführung zu machen. So ermöglicht das Ceol Piccolo die unterbrechungsfreie (gapless) Wiedergabe zusammenhängender Musik-Alben nur mit unkomprimierten FLAC- und WAV-Dateien. Aber das können die meisten aufwendigen und sperrigen AV-Surround-Receiver auch nicht besser. Immerhin ermöglicht der äußest smarte Knirps mit eingebautem Wireless-LAN sogar AirPlay.

Zudem hat Denon die beliebten kostenpflichtigen Online-Musikdienste Spotify und Last.FM integriert. Punkten kann das weiße System außerdem mit seinem USB-Eingang an der Front-Seite, der automatisch die Quelle umschaltet, sobald ein Stick eingeführt wird.

Fazit

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Unterm Strich ist das Ceol Piccolo die Überraschung des Tests. Natürlich bieten die Kompakt-Boliden aus den renommierten europäischen High-End-Schmieden Linn, Naim, Revox und T+A eine exzellente Verarbeitungs- und Klangqualität, doch was das Preis-Leistungs-Verhältnis betrifft, ist das preisgünstige, voll ausgestattete Fliegengewicht absolut top.

 
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